Meritence – Eine Jacke für alle Fälle

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Der Cardigan „Meritence“ von Janukke (Jana Huck) ist ein wunderbares Teil für den Alltag geworden. Er überzeugt mit einem gemütlichen Schnitt und ist trotzdem auch sehr gut im Alltag tragbar und keine „Sofajacke“.

Den Plan für dieses Projekt habe ich bereits Ende Dezember gefasst und dann auch zeitig angeschlagen. Natürlich nicht ohne wieder unendlich viele Maschenproben zu stricken, weil ich mich nicht entscheiden konnte, welches Garn es werden soll.

Wie zu erwarten war, manifestierten sich die ersten Abweichungen von der Anleitung bereits bei dieser Entscheidung: Statt eines Merino-Garns in Sockenwollstärke habe ich mir ein gefachtes Baumwoll-Poly-Garn in unbekannter Stärke ausgesucht. Hach ja. Schön. Warum auch mal einfach. Und überhaupt, ist ja nicht so, dass ich immer mal wieder denke: „So eine Jacke oder ein Pullover für Fingering-Garne, das wär was, davon hab ich echt viel…“ Naja, vielleicht dann beim nächsten Mal!

Das Garn hatte ich mal als 800g-Menge bei Ebay erworben. Da habe ich einige gefachte Garne in ähnlicher Menge ergattert. Sicherlich nicht der luxuriöse Kauf schlecht hin, aber schöne Garne. Mein Wayside-Lace-Cardigan habe ich auch aus einer dieser Chargen, da aber ein Wollgemisch, gestrickt. Und auch das beige Garn meines gerade fertig gewordenen Sommertops stammt vom gleichen Verkäufer.

Trotz des anderen Garns war ich auf die Maschenprobe gemäß Anleitung gekommen und das Maschenbild gefiel mir dabei immer noch sehr gut. Es konnte also losgehen.

Die Jacke wird von oben nach unten mit Zunahmen an den Raglanschrägen gestrickt. So war also nach dem Anschlagen schnell ein Erfolg zu sehen und ich war mit Feuer und Eifer dabei. Kurz vor dem Abtrennen der Ärmel musste ich dann feststellen, dass meine Maschenprobe nicht mehr passt! Oh Schreck!
Ich stellte fest, dass die Maschenanzahl auf 10cm weiterhin passen, aber ich hatte deutlich weniger Reihen. Anscheinend hatte ich sehr sehr fest gestrickt bei der Maschenprobe. Um nun zum Zeitpunkt des Ärmelseparierens die richtige Weite der Jacke zu haben, musste ich also das Schema der Zunahmen entlang der Schrägen deutlich stauchen, um über eine geringere Reihenanzahl die gleiche Menge an Zunahmen vorweisen zu können. Das hat erstaunlich gut geklappt!

Und dann folgten sehr, sehr viele Reihen glatt rechts, sehr viele! Die zwei Fake-Naht-Maschen an den Seiten der Jacke waren da schon das absolute Highlight. Langsam wurde das Strickstück auch deutlich schwerer. Das wäre wohl bei einem Wollgarn angenehmer gewesen.

Und so ging es weiter bis ich bei den Taschen ankam. Die sind echt pfiffig konstruiert. Durch bestimmte Techniken werden die Taschen am Übergang zum Jackenvorderteil ein wenig gerafft und es entsteht ein etwas „beuteliger“ Charakter.

Bei der Projektplanung hatte ich noch überlegt, ob ich die Taschen überhaupt stricke, weil ich Taschen an Strickjacken eigentlich nicht nutze. Aber in weiser Voraussicht habe ich mich für die Taschen entschieden und das war auch gut so. Die sind nämlich der absolute Hingucker an dieser Jacke. Insbesondere da ich die Tascheninnenseite in einfarbig türkisem Baumwollgarn, einem Farbton, der sich im Hauptgarn auch findet, gestrickt habe und es sich so richtig toll abhebt.

Unten endet die Jacke mit einem breiten Bündchen. Eins sage ich euch: ich bin jetzt Profi in links verschränkten Maschen, ich kann die im Schlaf, fast genau so schnell wie rechte Maschen. Fast. Naja, ihr könnt euch vorstellen, ich habe geflucht. War doch das gleiche Muster schon bei den Taschen verwendet worden. Und ich hatte erst später verstanden, dass sich das in allen Bündchen wiederholt! Und am Schalkragen… *seufz*

Aber eins muss man sagen, optisch sind die Bündchen toll! Kein Ausleiern und eine sehr akkurate Erscheinung.

Nach dem Körper habe ich erst einmal den Schalkragen gestrickt, da ich nicht wusste, wie weit ich wirklich mit meinem Garn komme. So wollte ich mir die Möglichkeit offen halten, ggf. an den Ärmeln Streifen z.B. in der Farbe des Tascheninneren einzufügen und so etwas Garn „zu sparen“.
Außerdem kann ich die Länge der Ärmel besser abschätzen, wenn ich bereits weiß, wie die Jacke am Ende auf den Schultern sitzt.

Beim Schalkragen musste ich wieder etwas tricksen. Durch das gewählte Garn und Nadelstärke war mein Strickwerk deutlich fester und weniger flexibel als es mit dem Originalgarn gewesen wäre. Deshalb war klar, dass ich die Kragenkonstruktion nicht so stricken kann, wie in der Anleitung gegeben. Zum einen musste ich die Zunahmen wieder umrechnen, da ich weniger Randmaschen an den Vorderteilen der Jacke zu Aufnehmen der Kragenmaschen zur Verfügung hatte und zum anderen ist das Bündchenmuster, aus dem der Kragen gestrickt wird, ein echter Garnfresser.

Entgegen der Anleitung habe ich den Kragen nur einlagig gestrickt. Ein Stück breiter hätte er im Nachhinein noch sein können, aber da ich schlussendlich nur wenige Gramm Garn über behalten habe, war es so die richtige Entscheidung.

Wovon ich phänomenal begeistert bin, ist der „tubular Bind-off“ oder auch „italienisch abketten“. Dabei ergibt sich bei Rippenmustern eine Kante, die wie bei gekauften Sachen (blöder Vergleich für ein hochwertiges Erscheinungsbild, aber naja) um den Rand herum zu fließen scheint. Das sieht mega schick aus. Am unteren Rand der Jacke habe ich die Technik noch nicht verwendet, wie mir gerade auffällt. Aber am Schalkragen und den Ärmelbündchen.

Dafür teilt man einige Reihen vor Ende die Maschen auf zwei Nadeln auf: alle rechten Maschen auf eine und alle linke Maschen auf eine andere. Dann strickt man über einige Reihen immer nur die jeweils rechten Maschen und hebt die linken mit dem Faden vor der Arbeit ab, dadurch erzeugt man ein zweilagiges Gestrick, den sogenannten Tunnel, wie man ihn ja auch beim italienischen Anschlag bekommt. Schlussendlich näht man die Maschen der beiden Nadeln im Maschenstich zusammen.
Mega schick! Erwähnte ich das schon? :)

Schlussendlich habe ich an die 800g Garn verbraucht. Das ist natürlich relativ viel, aber das Gestrick ist gleichzeitig sehr stabil und scheint nicht zu leiern. Ich trage die Jacke sehr gerne, und eigentlich finde ich bei diesem Kleidungsstück das Eigengewicht auch sehr angenehm.

Auch wenn das Garn mit den weißen, braunen, gelben, türkise und dunkelblauen Fäden sehr bunt ist, bietet es dadurch einiges an Kombinationsmöglichkeiten und ist durch die melierte Optik nicht zu aufdringlich. Man sollte sie allerdings doch am besten mit einfarbigen Kleidungsstücken kombinieren. Mit Bluse z.B. habe ich sie auch schon fleißig ins Büro ausgeführt.

Die Anleitung gibt es auf Deutsch und auf Englisch. Ich fand sie gut verständlich und für spezielle Techniken sind kleine Bilder-Guides enthalten. Die Angaben der einzelnen Größen sind in Tabellen zusammengefasst und man kann sie sich in den als Lückentext gehaltene Anleitungstext für die Größe, die man stricken will, eintragen. Sehr übersichtlich!

Kleiner Exkurs: Ich hatte mir für die Ärmel ein Neko Strickspiel XL, glaube ich, gekauft. Das wollte ich mal testen. Ausgewiesen wird diese Nadellänge für Mützen, Ärmel etc.. Da ich Bambusnadeln nicht traue, habe ich die Kunststoff-Variante gewählt. Leider war ich sehr enttäuscht. Das Prinzip der Nadeln ist u.a. von der Konkurrenz bekannt und theoretisch komm ich damit gut klar. Aber die Kunststoff-Nadeln waren so weich… Vielleicht lag es an dem dicken Garn, dem Baumwollanteil und meinem festen Stricken. Aber ich musste die Nadeln direkt vorne neben den aktuellen Maschen anfassen, damit die Nadelspitze sich nicht ewig weit weg biegt und ich irgendwie steuern kann, dass ich die Maschen treffe. Da bleibe ich lieber beim Nadelspiel! Schade, weiß ich doch, dass andere von euch ganz gerne damit stricken!

Für das Zeigen meiner Jacke in der Ravelry-Gruppe von Jana Huck alias Janukke habe ich dann auch noch eine weitere Anleitung von ihr gewonnen. Dort wird regelmäßig unter den fertigen Objekten nach ihren Anleitungen eine Gratisanleitung verlost. Schöne Sache und da gibt es viele schicke Stücke zu sehen. Ich habe mich für den Mytilus entschieden. Ein Pullover aus worsted-Garn (200m/100g) mit Hebemaschenmuster auf der Rundpasse. Mal schauen, wann der dann mal auf die Nadeln darf…

  • Anleitung: „Meritence“ von Janukke (Jana Huck)
  • 772 gefachtes Handstrickgarn in beige (Baumwolle/Polyacryl), LL 170m/100g
  • 16g Hobbii Rainbow Cotton 8/4 Solid (100% Baumwolle), LL 170m/50g
  • Größe: (ursprünglich gewählt) 42
  • Tubular Bind-Off
  • Lace-Abketten in der Hinreihe
  • NS 3,0mm (2,5mm für Rippenmuster)
  • Kosten: ca. 10€ + Anleitung
  • fertig gestellt: April 2020

Verlinkt bei Maschenfein, Meine Fummeley, Lieblingsstücke, Stricklust, Creativ Lovers, Handmade on Tuesday, Creadienstag, DvD.
(o.g. Seiten ggf. ohne Verlinkung? -> Verlinkung folgt, wenn Linkparty online)

12 Kommentare zu „Meritence – Eine Jacke für alle Fälle

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  1. Deine Jacke schaut klasse aus und jedes Fluchen und Finger verdrehen hat dich gelohnt. 👍 Ich bin ja immer ein bissel neidisch bei so schönen Strickteilen…. 😁

    Viele liebe Grüße deine nähbegeisterte
    Andrea 🍀

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Andrea,
      Vielen Dank! :) aber sei beruhigt, das geht mir genauso bei schönem Genähtem. Ich glaube es ist fantastisch, wenn man beides beherrscht, naja. Vielleicht irgendwann :D
      Liebe Grüße
      Anma

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  2. Servus Anma!
    Cool. Deine Jacke finde ich wirklich total cool mit der einfarbigen Tascheninnenseite und ja, das ist eine Jacke für alle – ich finde, mir würde sie ganz besonders stehen ;o) Ich freue mich, dass du sie beim DvD zeigst! Danke und liebe Grüße
    ELFi

    Gefällt 1 Person

  3. oh wow, dein Cardigan sieht super aus. Mir gefallen die Taschen mit dem Türkis. Das bunt melierte Garn ist total praktisch, da kann man dann so vieles kombinieren. Das italienische Abketten muss ich mir gleich mal notieren und mich schlau machen.
    Wünsche viel Spass beim Tragen
    Liebe Grüsse
    Esti

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Esti!
      Vielen Dank! Ja, ich habe zwischen Türkis und einem Bronzeton geschwankt, aber so ist es schon gut 😊
      Ja, mach das! Es ist zwar etwas aufwändiger und man muss den letzten Schritt halt nähen, aber es lohnt sich m.E. auf jeden Fall.
      Liebe Grüße
      Anma

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  4. Huhu Anma,
    gefühlt höre ich dich bis hierher fluchen. Aber es hat sich alles gelohnt, die Jacke ist wunderschön und ein wirkt wahrlich wie ein echter Allrounder.

    Ich gehöre mit zu den wenigen die von den Neko-Nadeln nicht so begeistert sind. Ich habe die aus Bambus und kam überhaupt nicht klar und habe schnell wieder zum Nadelspiel gegriffen.

    Liebe Grüße
    Nicole

    Gefällt 1 Person

    1. Lieben Dank, Nicole!
      Naja, ich stricke halt auch viel mit den Trios, das geht super, aber mit diesen Plastiknadeln war nun wirklich nichts zu wollen. Aber gut, Versuch macht klug!
      Liebe Grüße
      Anma :)

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