„Mytilus“ von Janukke aus deutscher Merinowolle

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Mein Suchtprojekt im Juli war der Pullover „Mytilus“ nach einem Design von Jana Huck/Janukke (ravelry-Link). Ein Rundpassenpullover mit eine Hebemaschemuster im oberen Breich der Passe und an den Handgelenken. Das Design ist ansonsten sehr schlicht, figurnah geschnitten und wirkt ganz wunderbar mit einfarbigem Garn. Gestrickt wird es mit worsted-Garn.

Die Anleitung für den Pullover habe ich seit letztem Frühjahr liegen. Da hatte ich nämlich nach Fertigstellung meines Meritence-Cardigans, ebenfalls ein Design von Janukke, in der Ravelry-Gruppe der Designerin eine Anleitung meiner Wahl gewonnen. Und da ich mehr Pullover stricken wollte zu dem Zeitpunkt, was rückblickend sehr gut geklappt hat, habe ich mir diesen Pullover ausgesucht.

Gestrickt habe ich mit der deutschen Merinowolle von Grosse Wolle. Und zwar die Variante mit 215m auf 100g. Diese hat Daniel leider letzten Frühsommer abverkauft und es gibt diese Lauflänge nicht mehr. Allerdings bin ich auf diesem Wege zu diesem Garn und einer weiteren Pullovermenge in grün gekommen. Ich habe hier damals sehr beherzt zugegriffen, da ich ja bereits meinen FairIsle-Pulli aus der DisignerKnitting mit diesem Garn gestrickt hatte und den mag ich sehr. Die Wolle von hiesigen Merinoschafen ist bzgl. der Weichheit zwar nicht zu vergleichen mit der weichen Wolle australischer oder neuseeländischer Schafe, aber ich kann die etwas rustikalere Wolle ganz wunderbar auf der Haut haben. Angezogen ist es einfach ein angenehmes Gefühl. Zwar trocken und griffig, aber m.E. keinesfalls kratzig. Aber bei dicken Pullis hat man am Ende eh zumindest ein Tshirt drunter. Also weiter im Text.

Beim Stricken hatte ich lange die Befürchtung, dass mein Garn vielleicht nicht reicht. Grundlegend wär das aber nicht so dramatisch gewesen, da ich von besagtem Pullover ja noch Reste da habe, sodass man z.B. die Innenseiten der Bündchen in einer anderen Farbe hätte stricken können (wie bei dem Eulenpost-Pullover aus dem HarryPotter-Strickbuch). Die Kalkulation sah dann aber gut aus. Zumindest bis ich feststellte, dass ich den Körper um ca. 7cm verlängern muss (im Nachhinein hätten auch 4cm gereicht, aber was solls). Dann wurd es knapp. Aber mit Hilfe meiner Feinwaage konnte ich den Garnverbrauch pro Reihe ermitteln und habe so die Reihenanzahl vor dem Bündchen so ausgelegt, dass das Restgarn noch für das Bündchen und das Abketten reicht. Das hat sehr gut geklappt. Am Ende habe ich sogar noch 4,5g übrig behalten.

Der Pullover wird von oben nach unten mit einer Rundpasse gestrickt. Es wird also gleichmäßig über den Umfang zugenommen. Nach dem doppellagigen Halsbündchen unten ein paar verkürzten Reihen im Nacken startet man in das durch Hebemaschenmuster erzeugte Muster. Mich erinnert es an das sogenannte Bubble-Muster, welches ich bereits hier und hier (mit verschiedenen Techniken) gestrickt habe. Die Geometrie den Passen-Musters ergibt sich dann aus den Längenverhältnissen (Abstand der Hebemaschen und Rundenanzahl). Beim Stricken ist das erst ein wenig krampfig, aber der gestrickte Mustersatz entspannt sich, sobald man einige Reihen drüber hinweggestrickt hat, weil sich dann die Höhendifferenzen aus den Hebemaschen besser ausgleichen.

So entsteht ein Muster, dass dem Design seinen Namen gegeben hat. Mytilus ist der lateinische Begriff für Miesmuscheln, welche die Designerin insbesondere bei Ihrem schwarzen Modellstrick vor Augen hatte.

Nach der Musterpasse wird ganz viel glatt rechts gestrickt, dann die Ärmel abgeteilt und noch mehr glatt rechts gestrickt.

Am Ende der Ärmel strickt man dann noch mal das Hebemaschenmuster. Der Körper endet ohne weitere Hingucker im Bündchen.

Die Bündchen an den Ärmeln und dem Körper unten werden doppelt so hoch wie im Endzustand gewünscht und mit einer Umbruchkante gestrickt. Nach dem Entspannungsbad werden diese dann nach innen umgeklappt und angenäht. Hierzu beinhaltet die Anleitung bebilderte Erläuterungen zum genauen Vorgehen. Da musste ich nicht mal den genannten Stich, mit dem angenäht werden sollte, googlen.

Die Anleitungen von Janukke mag ich insgesamt sehr gerne. Sie hat immer in einer Tabelle alle Zahlen für alle Größen gesammelt und im nachfolgenden Absatz kann man in entsprechende Lücken die Angaben für die eigene Größe eintragen. Das finde ich sehr übersichtlich. Die Anleitung enthält außerdem alle notwendigen Angaben und Maße, um die Passform gut abschätzen und ggf. anpassen zu können.
Am Ende sind dann noch Fototutorien für die wichtigstens Techniken, die verwendet werden, enthalten. An der ein oder anderen Stelle haben die mir das Leben angenehm vereinfacht.

Die Passform für die gewählte Größe musste ich kaum ändern. Ich habe lediglich den Abstand der Zunahmen für die Hüftbreite etwas gestreckt, um nur langsam an Weite zu gewinnen, und eine Zunahmerunde ergänzt. Außerdem habe ich wie oben schon beschrieben den Körper ein Stück verlängert.
Da das Garn keine Superwash-Ausrüstung hat konnte ich nicht auf eine deutliche Verlängerung des Pullovers allein durchs Waschen hoffen. Die Maschenprobe hatte mir das auch bereits gesagt.

Aprospos Passform. Auch bei diesem Pulli habe ich eine FBA (Full Bust Adjustment) ergänzt, um der Oberweite mehr Raum zu geben. Das wird mithilfe von verkürzten Reihen im Bereich der Brust und von der Höhe her ein kleines Stück unterhalb der Brustwarzen umgesetzt. Das kommt der Passform zu Gute. Ich berechne meine FBA immer nach dem Konzept von Ysolda Teague. Wer sich dafür interessiert, findet sehr detaillierte Infos zum Vorgehen, angepasst an den eigenen Körper, im Buch „Little Red in the City“ von Ysolda Teague.
Hier gibt es das E-Book. Als richtiges Buch muss man die Augen offen halten. Ab und zu ist es bei manchen hiesigen Händlern verfügbar, sodass mein kein Porto+Einfuhr aus UK bezahlen muss. Google hilft da am besten weiter.

Insgesamt möchte ich nun mutmaßen, dass der Rundpassenpullover bei meiner Körperform nicht die optimalste Art der Pulloverkonstruktion ist.
Ich habe das Gefühl, dass ich am Rücken eigentlich immer mehr Weite habe als ich brauche. Ich dachte es liegt an den gleichmäßig verteilten Zunahmen, aber bei Raglankonstruktionen arbeite ich auch mit symmetrischen Zunahmen und mit gleicher Maschenanzahl für Vorder- und Rückenteil. Das kann es also eigentlich nicht sein.
Außerdem spannte es ein wenig im Bereich der Ärmelansätze, wodurch bei ausladenden Bewegungen Falten im Bereich des Brustansatzes geworfen werden und das Kleidungsstück dann erst mal wieder an Ort und Stelle gezubbelt werden muss.
So ganz ausgegoren sind meine Gedanken dazu noch nicht. Ich werde dem weiter nachgehen.

  • Anleitung: Mytilus von Jana Huck/Janukke (Ravelry-Link)
  • 495g Grosse Wolle classic wool Merino 215, Farbe blau (100% deutsche Merinowolle), LL ca. 210m/100g
  • Größe 42
  • NS 4,0 und 3,5 für Bündchen
  • doppellagige Bündchen (am Hals provisorisch angeschlagen, alle anderen nachträglich mit dem Überwendlingsstich umgenäht)
  • FBA: Beginn 5cm nach Abteilung der Ärmel, 8 Reihen
  • Hüftzunahmen: Abstände erhöht und eine zusätzliche Zunahmerunde ergänzt
  • Lace-Abketten
  • Kosten: Garn 27€
  • fertig gestellt: Juli 2021

Verlinkt bei Maschenfein, Meine Fummeley, Lieblingsstücke, Creativ Lovers, Creativsalat, Handmade on Tuesday, DvD.
(o.g. Seiten ggf. ohne Verlinkung? -> Verlinkung folgt, wenn Linkparty online)

2 Kommentare zu „„Mytilus“ von Janukke aus deutscher Merinowolle

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