Herzlichen Glückwunsch, es ist ein Pullover! – „Schrägesding“ von Knitding

Heute zeige ich dir den Pullover Schrägesding von der Designerin Knitdings (ravelry-Link). Er war der erste Pullover, den ich gestrickt habe seit längerem und vorallem seit meiner Trennung in 2023. Mein Gott war ich stolz mal wieder ein „amtliches“ Strickstück vorweisen zu können. Und hier möchte ich ihn nun präsentieren. Ehre wem Ehre gebührt. :)

Der Pullover wird mit Garn in Sockenwollstärke gestrickt. Er ist etwas weiter geschnitten und hat leichte Fledermausärmel. Das Highlight sind drei schräge Blockstreifen. Ich habe hierfür drei Färbungen in den Grundfarben Rot, Gelb und Blau gewählt. Hier sind die Möglichkeiten aber erst einmal unendlich. Ich glaube die Farbauswahl war wohl fast das schwierigste an diesem Pullover. Ich habe meine ganze Sammlung an Fingering-Strängen um mich herum ausgebreitet und angefangen einfach mal zu kombinieren. Ganz so abenteuerlich wie die sich mir bietenden Möglichkeiten ist meine Entscheidung dann aber doch nicht ausgefallen.

Aber von Anfang an. Kerstin Bovensieper aka Knitdings entwirft immer wieder Designs, die häufig an sich recht schlicht sind, aber durch ein Highlight herausstechen. Beim Schrägesding sind das die auffälligen Blockstreifen. Ihr Modell mit Streifen in Pink, Gelb und Orange ist ebenfalls wunderschön, aber nicht meine Farbwelt. Was ich aber gut fand und übernommen habe, ist ein neutraler und dezenter Ton als Grundfarbe. So kommen die Streifen einfach noch mehr zur Geltung.

Der Pullover wird von oben nach unten gestrickt. Vorder- und Rückenteil werden getrennt in Reihen gearbeitet, bis man unterhalb der Armlöcher zur Runde schließen kann. Für die Ärmel werden nach Maschen aus den Rändern der Armlöcher aufgenommen und die Ärmel ebenfalls von oben nach unten gestrickt. Körper und Ärmel werden mit einem Rippenbündchen abgeschlossen. Am Ende erhalten die Anschlagskanten noch ein kleines Rippenbündchen, welches das Halsloch einfasst.

Die schrägen Blockstreifen werden durch verkürzte Reihen erzeugt. Man sieht auf den Fotos auch die ganzen kleinen Stufen, wo die Wendemaschen liegen. Hier habe ich schnell festgestellt, dass „viel hilft viel“ nicht gilt. Die Wendemaschen dürfen nicht zu fest angezogen werden, sonst entstehen gerade dadurch Löcher.
Man sieht auch, dass das blaue Garn etwas dünner ist als die anderen. Die Löchlein sind an den Kanten zu Blau, insbesondere an der unteren zum Gelb hin, etwas besser sichtbar. Wenn das Garn etwas „fluffiger“ ist, verschwimmen diese Übergänge optisch besser.

Achso, ich habe die verkürzten Reihen als „german shortrows“ gestrickt. Also sprich, ich habe die letzte Masche am Wendepunkt nach dem Wenden durch Anziehen des Arbeitsfadens so hingezogen, dass nicht mehr die gerade gestrickte Masche auf der Nadel liegt sondern beide Maschenbeinchen der Masche darunter. So entsteht eine „Doppelmasche“, die aber in der nächsten Runde gemeinsam abgestrickt wird.
Sonst arbeite ich lieber mit tiefergestochenen Wendemaschen (Dabei strickt man am Wendepunkt aus der Masche unterhalb der aktiven eine zusätzliche Masche heraus und legt diese zu der aktiven auf die Nadel, sodass auch hier dann zwei Maschenbeinchen auf der Nadel liegen.), aber das hat mir bei diesem Projekt optisch nicht gefallen.

Die Bündchen habe auch bei diesem Projekt als 1×1-Bündchen mit rechts verschränkten Maschen gestrickt und italienisch abgekettet. Wenn man mich überzeugen will eine andere Rippenbreite/Maschenart zu stricken oder anders abzuketten, dann braucht es wirklich so richtig gute Argumente… gab es hier nicht. :D

Kommen wir doch mal zum Garn. Ich hatte mir diese Projekt als Beute-Orientierung für das Silberstedter Wollfest 2023 rausgesucht. Es war klar, die drei Kontrastfarben sollen aus dem Wollberg kommen. Aber für die neutrale Hintergrundfarbe hatte ich nichts Passendes. Ich hatte etwas Schiss nicht das Richtige zu finden. Aber dem war zum Glück nicht so: Fündig geworden bin ich bei Fliegende Kiwi Garne. Dort habe ich die Färbung „Dobby“ entdeckt und drei Stränge der Merino-Sockenwolle in dieser Farbe mitgenommen. Wie beschreibt man die Farbe? Hm, ja, es ist kein Wollweiß, kein Beige, kein Grau. Also, es ist hell, dezent und verstrickt wirkt die Farbe noch wärmer als im Strang.

Für die Kontrastfarben habe ich zwei Stränge Sockenwolle von Masche&More in einem Gelbgrün und einem rostigen Rot sowie einen Strang Merino-Sockenwolle in der Farbe „Stonewashed Jeans“ von damals noch MeinAllerleiHobby ausgesucht. Jetzt heißt der Etsy-Shop MartinasStübchen. Alle Stränge haben eine 75/25-Zusammensetzung und sind ähnlich in der Lauflänge (zwischen 400 und 425m pro Strang).

Ich mag den Pullover sehr. Er trägt sich wirklich schön: die Ärmel sind lang genug, das Material ist angenehm auf der Haut, das Halsbündchen liegt schön an und ist weder zu weit noch scheuert es und die Fledermausärmel geben Raum aber sind nicht zu „fledermausig“, als dass man keine Jacke mehr drüber ziehen könnte. Einzig das Bündchen des Körpers hätte ich rückblickend nun lieber mit 3,0mm Nadeln gestrickt. Da ich eine Körperform mit relativ breiter Hüfte habe, könnte er hier etwas weiter sein. So schiebt er sich jetzt ab und an hoch, wenn ich ausladende Bewegungen mache.

Für mich ist es der erste Pullover aus einem Garn in Fingering-Stärke. Sonst war alles entweder dicker oder aber mit größeren Nadeln und Beilaufgarn verstrickt. Diese Dicke eines Pullovers gefällt mir sehr gut und ich mag ihn auch in der Übergangszeit noch gerne tragen.

Die Anleitung ist sehr detailliert und gut verständlich. Ich hatte an keinem Punkt ein Fragezeichen im Gesicht. Es sind Links zu Tutorials, Schemazeichnungen und eine grafische Darstellung der Arbeitsabfolge zu finden. Und es ist auch alles für eine Kurzarmvariante des Pullovers in der Anleitung enthalten, sodass man wählen kann, ob man einen Pullover oder ein T-Shirt oder irgendwas dazwischen stricken möchte.
Für mich war es die erste Anleitung von Knitdings und ich kann sie auf jeden Fall empfehlen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Da aber gerade dieser Pullover doch nicht ganz einfach ist und man z.T. zwei Sachen gleichzeitig mitzählen und beachten muss, würde ich diesen Pullover keinem Strickanfänger empfehlen.

  • Anleitung: Schrägesding von Kerstin Bovensieper aka Knitding (ravelry-Link)
  • 298g FliegendeKiwi Merino Sock, Färbung Dobby (75% Merino, 25% Polyamid), LL 400m/100g
  • 50g MeinAllerleiHobby Sockenwolle, Farbe Stonewashed Jeans (75% Merino, 25% Polyamid), LL 425m/100g
  • 48g Masche&More Sockenwolle, Farbe Apple (75% Wolle, 25% Polyamid), LL 420m/100g
  • 46g Masche&More Sockenwolle, Farbe Rust (75% Wolle, 25% Polyamid), LL 420m/100g
  • Größe L1
  • angepasste Ärmelabnahmen: 40 Abnahmen, danach 4 Runden glatt rechts + Bündchen
  • NS 3,0mm bzw. 2,5mm für Bündchen
  • Kosten: Wolle 93€ inkl. Reste, Anleitung 7€
  • fertig gestellt: Mai 2024

Verlinkt bei Lieblingsstücke, Creativsalat, Handmade on Tuesday, DvD.
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