Jeder braucht einen „Wind Down“!

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…oder auch einen zweiten! :)
So war es nämlich bei mir. Im Rahmen der Projektplanung hatte ich plötzlich wieder das Design „Wind Down“ von DROPS Design in den Händen. Nach dieser Anleitung hatte ich bereits 2018 einen Pullover gestrickt. Und irgendwie ließ mich der Gedanke nicht mehr los. So ist mein Wind Down 2.0 entstanden, an dem ich super ausprobieren konnte, was ich seit dem ersten Pullover alles dazugelernt habe. Das hat wirklich Spaß gemacht!

Also, Ausgangspunkt war dieser Pullover: click! Den bin ich damals mit einem knappen Jahr Strickerfahrung angegangen. Gestrickt aus einem Baumwollgemisch mit hohem Leinenanteil mit Dreiviertelarmen ist das eine Sommervariante des Pullovers. Im Nachgang fielen folgende Punkte auf, die ich heute anders machen würde (und gemacht habe^^):

  • Der Halsausschnitt ist vorne und hinten gleich hoch und sitzt so nicht optimal.
  • Der Pulli ist insgesamt minimal zu kurz und der A-förmige Schnitt ist nicht die Passform meiner Wahl.
  • Das untere Bündchen klappt/rollt trotz Raff-Häkelreihe auf der Innenseite ein wenig. Tendenziell geht es wohl so, aber irgendwie bin ich da anstellig. Eine Auflistung möglicher Technik, um das Aufrollen von Rändern zu verhindern habe ich übrigens hier mal zusammen gestellt.

Die Garnauswahl war schnell getroffen. Ich habe mich für die Rowan Purelife Revive in Grau entschieden. Davon hatte ich noch 500g im Wollberg.
Das Garn ist an sich schon interessant. Es ist meliert und relativ unruhig, denn es sind nicht alle Fäden des Garns gleichfarbig. Das Garn besteht nur aus recycelten Fasern und zwar Baumwolle, Viskose und Seide. Den Gedanken finde ich gut. Zuerst ist es noch recht störrisch, aber bereits durch das Verstricken wird es deutlich weicher.
Bei einer Lauflänge von 125m/50g habe ich es mit Nadelstärke 3,5 verstrickt und bin mit dem Maschenbild sehr zufrieden. Die Maschenprobe passte nicht ganz zur Anleitung. Aber da ich eh einiges hin und her gerechnet habe, war es dann auch egal.

In dem Grau sind manchmal und sehr dezent pinke und türkise Punkte. Es sieht aus, als wäre die ursprüngliche Farbe der Fasern hier nicht ganz übergefäbrt. Aber das ist nur eine Vermutung. In dem grauen Garn finde ich das ganz schön. Bei anderen Färbungen des Garns wird das sehr bunt und kreischig, aber meine Kombi mag ich haben.

Ich habe mir nun im Vorwege Gedanken gemacht, wie ich die Passform anpassen möchte. Als Vorbereitung habe ich, orientiert an dem Leitfaden von Ysolda Teak aus Little Red in The City, mich mal komplett ausgemessen (ausmessen lassen). Erwähnte ich schon, dass ich dieses Buch genial finden? Ich glaube ja, ein oder zwei Mal… :) Leider ist es hier nicht so gut zu bekommen. Ich habe es Ende des Jahres in einem Buchshop bestellt, den ich schon wieder vergessen habe, aber anscheinend gibt es das Buch gerade auch bei Lanade, was den Vorteil eines geringeren Portos hat, als wenn man es aus England bestellen muss. Bei Amazon ist es ist ewig überteuert, bitte sucht nach Alternativen *seufz*.

Als also alle Maße notiert waren, habe ich mir folgende Änderungen errechnet, alles schön anhand meiner eigenen Maße:

  • Verkürzte Reihen im Nacken für einen besseren Sitz des Halsausschnitts.
  • Full Bust Adjustment: Mehr Raum im Bereich der Oberweite.
  • Auf mich abgestimmte Taillierung.

So der Plan. Und die Ärmel muss ich eh immer anpassen. Affenarme und so. Das hat dieses Mal aber nicht gut geklappt, da war wohl das Gehirnschmalz schon aufgebraucht. Aber dazu später mehr.

Für die Erhöhung der Nackenpartie habe ich insgesamt sechs verkürzte Reihen über die Maschen des Rückenteils gestrickt. Die Wendemaschen habe ich dabei mit relativ geringem Abstand zueinander in die Ärmelmaschen, also zwischen den Raglanmusterstreifen vorne und hinten rechts bzw. vorne und hinten links, gepackt. So habe ich mit den verkürzten Maschen nur die Raglanmusterstreifen auf dem Rücken gekreuzt. Ich habe mich dabei entschieden hier nur die Begrenzungsmaschen des Streifens zu stricken, aber noch nicht mit dem Lochmuster zu beginnen, damit das Muster vorne und hinten auf der gleichen Höhe liegt.

So habe ich ca. 1,5cm Höhe im Nacken gewonnen. Diese Technik war mir schon länger bekannt, aber gemacht hatte ich das vorher noch nicht. Beim nächsten Mal würde ich noch zwei verkürzte Reihen (mindestens) mehr stricken.

Das Full Bust Adjustment erforderte etwas mehr Nachdenken. Tatsächlich liege ich mit meinem E-Körbchen gerade so am unteren Rand der Maße, für die Ysolda Teague eine solche Erweiterung vorschlägt. Das hatte ich nicht erwartet, aber hilft mir auch meine eigene Einschätzung bzgl. nötiger Anpassungen zu verbessern.

Auch diese Anpassung erfolgt über verkürzte Reihen. Man strickt, die Runde unterbrechend, mehrfach auf dem Vorderteil hin und her, um dadurch im Bereich der Brust mehr Material zu erzeugen.

Die genauen Formeln zur Berechnung, wo die verkürzten Reihen liegen, wieviele verkürzte Reihen gestrickt werden sollen und wie lang diese jeweils sind, habe ich dem o.g. Buch entnommen. Man muss sich ein wenig reindenken, aber wenn man es erst mal verstanden hat, ist das wirklich pfiffig und ausgesprochen logisch. Wie so vieles! :)

Ich habe in diesem Fall acht verkürzte Reihen gestrickt. Wie auch im Nacken habe ich die Wendemaschen als Doppelmaschen gestrickt. Ich habe also nach dem Wenden die erste Maschen nur abgehoben und den Faden so stark angezogen, dass man die beiden Maschenbeinchen der darunter liegenden Masche über die Nadel zieht und somit die Maschen aussieht wie eine Doppelmaschen.
Eigentlich stricke ich Wendemaschen gerne durch das Herausstricken einer zusätzlichen Masche aus der darunterliegenden Masche, wodurch eine „richtige“ Doppelmasche entsteht. Das habe ich so mal in einem Video von Silvie Rasch zur Shadow Wrap Ferse gesehen und das gefällt mir gut. (Video hier, z.B. bei 10:40 min)
Was die Sichtbarkeit der Wendepunkte im Gestrick angeht, bin ich aber nicht sicher, welche Technik wie gut ist. Deshalb habe ich hier einfach mal wieder die zuerst genannte Technik probiert. Am fertigen Stück kann ich die Wendestellen schon erahnen. Allerdings insbesondere wegen fühlbarer Gnubbel, sehen tut man sie glaube ich nicht.

An den Seiten habe ich eine Fake-Naht durch eine Säule aus linken Maschen eingebaut. Das ist optisch irgendwie gefällig und hilft mir beim in Form ziehen und Zusammenlegen, den Körperteil nicht zu verdrehen.

Für die Taillierung habe ich einfach die Differenz zwischen der gewünschten Unterbrust-, Taillen- und Hüftbreite errechnet und anhand der Maschenprobe ermittelt, wie viele Maschen dieser Differenz entsprechen. Mit dem Wissen wie viel Abstand zwischen diesen drei betrachteten Punkten liegt, kann man dann mit der Maschenprobe errechnen wie vielen Runden das entspricht. So kann ich schlussendlich ermitteln, wie oft und in welchen Abständen ich Ab- bzw. Zunahmen machen muss.

Hier ein kleines Beispiel:

Maschenprobe (gewaschen): 20 M x 28 Runden auf 10x10cm, bzw. 2 M x 2,8 Runden pro Quadratzentimeter

Ziel: Abnahmen zwischen (Unter-)Brust und Taille

Aus meinen Maßen kann ich ermitteln, dass ich 12,5cm zwischen diesen zwei Punkten Platz habe und dass ich über diese Höhe 10cm Umfang abnehmen möchte.

10cm = 20 Maschen, aufgeteilt auf 4 Abnahmestellen (jeweils beidseitig der Seitennähte)
–> Es sind 20/4 = 5 Abnahmerunden erforderlich.

12,5 cm entsprechen gemäß der Maschenprobe 12,5 * 2,8 = 35 Reihen.

35 Runden / 5 Abnahmerunden = Abnahmen jede 7. Runde.

Fazit: Ich nehme unterhalb der Brust 5x jede 7. Runde jeweils 4 Maschen ab.

So schwer ist das also gar nicht. Man braucht nur die wesentlichen Ausgangsdaten und ich notiere mir den Rechenweg immer mit auf. So kann ich auch kurzfristig noch mal etwas ändern ohne dann unnötige Denkfehler hineinzubauen.

Soweit so gut. Ich war sehr zufrieden. Jetzt fehlten ja nur noch die Ärmel. Jaaaaaaa… Also….
Klug wie ich bin, wollte ich die Ärmelabnahmen genauso berechnen wie oben beschrieben. Grundsätzlich hat das auch geklappt, aber ich habe zu knapp kalkuliert, sodass es tendenziell in der Mitte der Unterarme etwas zu eng ist, am Handgelenk aber wieder 1A sitzt.
Wir halten also fest: enganliegende Ärmel nicht ganz linear abnehmen, lieber gleichmäßig bis zum Ellenbogen abnehmen, dann die Abnahmen verringern und vorm Handgelenk, falls erforderlich, die überflüssigen Maschen zügig abnehmen.

Außerdem hatte ich mich bei der Ärmellänge verschätzt. Und dadurch dass sich die Ärmel wegen der fehlenden Mehrweite an den Unterarmen ein wenig hochschoppen, musste ich am Ende beide Ärmel noch mal um 5-6cm verlängern. Das habe ich einfach in kraus rechts gemacht, da ich die Bündchen sowieso so gestrickt habe. Das wirkt optisch ansprechend und nicht wie angeflickt.

Das Lochmuster an der Ärmelinnenseite habe ich etwas angepasst. Eigentlich ist hier eine abgespeckte Version vorgesehen, ich habe da aber das gleiche Muster wie an den Raglanschrägen gestrickt.

Den Körper habe ich unten auch mit fünf Krausrippen abgeschlossen. Das passt gut zum Garn und da rollt oder klappt gar nichts! Ich habe alle Bündchen außerdem mit einer Nadelstärke kleiner gestrickt. Das gibt Ihnen etwas mehr Stand.
Abketten tue ich bei kraus rechts Bündchen gerne elastisch mit linken Maschen. Also Masche links stricken und dann mit der vorigen Masche auf der rechten Nadel rechts verschränkt zusammen stricken. Das passt optisch sehr gut und ist ausreichend dehnbar.

Schlussendlich bin ich sehr zufrieden, auch wenn mich die Ärmel temporär sehr gefrustet haben. Leider ist es aber noch zu kalt für den Pulli. Da ich im Büro gefühlt „von O bis O“ meine dicksten Pullis tragen muss, um nicht zu frieren, wird das eher ein Anwärter für Sommer im Büro oder Frühling am Wochenende. Ich freue mich drauf! :)

  • Anleitung: „175-1 Wind Down“ von Drops Design (Ravelry-Link)
  • 416g Rowan Purelife Revive, Farbe 481 Shale (36% Baumwolle, 36% Seide, 28% Viskose), LL 125m/50g
  • Größe L
  • NS 3,5mm, NS 3,0mm für Bündchen
  • altnorwegischer Maschenanschlag (Halsbündchen)
  • 2×3 verkürzte Reihen im Nacken, Wendemaschen in den Ärmelmaschen
  • Bust Dart: Abnäherhöhe 2,5cm, 4×2 verkürzte Reihen
  • Verkürzte Reihen als Doppelmaschen („Hasenöhrchen“)
  • Taillierung 4x jede 9. Runde (90cm Taille)
  • Zunahmen 9x jede 7. Runde (110cm Taile)
  • Ärmelmuster A1 statt A2
  • Ärmelabnahmen in der 10. Runde, dann 20x jede 5. Runde, Ärmellänge ab Raglan 45cm + Verlängerung
  • Lace-Abketten bzw. russisches Abketten mit linken Maschen
  • Kosten: < 22,50€ (inkl. ca. 1,5 Knäulen Rest), Anleitung gratis
  • fertig gestellt: Dezember 2020

Verlinkt bei Maschenfein, Meine Fummeley, Lieblingsstücke, Creativ Lovers, Handmade on Tuesday, Creadienstag, DvD.
(o.g. Seiten ggf. ohne Verlinkung? -> Verlinkung folgt, wenn Linkparty online)

6 Kommentare zu „Jeder braucht einen „Wind Down“!

Gib deinen ab

  1. Servus Anma,
    ich schließe mich der Meinung von Barbara an denn auch ich finde es grenzgenial, wie gekonnt du den Pulli auf deine tolle Figur „maßgeschneidert“ hast! Danke fürs Zeigen beim DvD und ganz liebe Grüße
    ELFi

    Gefällt 1 Person

    1. Oh wie lieb von dir, ELFi! 😚 vielen Dank für deinen Kommentar und für deine Linkparty! Ich schaue immer beim Verlinken durch, was ich seit dem letzten Mal so verpasst habe :)
      Ganz liebe Grüße und ein schönes Wochenende!
      Anma

      Gefällt mir

  2. Toll, wie du den Pulli auf deine Bedürfnisse angepasst hast! Das ist doch auch der echte Vorteil am selbermachen. Es braucht dafür allerdings schon einiger Überlegungen. Du hast das toll hinbekommen!
    LG Monika

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Monika,
      vielen lieben Dank!
      Du hast in allen Punkten recht! Ich habe dieses Mal noch viel überlegt und geplant. Wenn man das häufiger macht, wird man einige Schritte sicherlich viel routinierter machen.

      Liebe Grüße, Anma

      Gefällt mir

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