Ein Tuch für Zwischendurch: Storm Shawl von Joji Locatelli

Die Anleitung für den Storm Shawl von Joji Locatelli habe ich bei einem meiner Streifzüge durch Ravelry entdeckt. Hoch erfreut nahm ich zur Kenntnis, dass es sich um ein sogenanntes „One-skein-wonder“ handelt. Also ein Projekt, für das nur ein Strang Wolle benötigt wird. Denn wir haben sie doch alle, diese wunderbaren Einzelstränge, die zwar wunderschön sind, aber eben nur ein Strang und dafür eine sinnvolle Verwendung zu finden ist manchmal gar nicht so einfach.

Überzeugt hat mich insbesondere, dass die vorausgesagte Größe des Tuchs trotz des geringen Materialbedarfs brauchbar erschien. Viele dieser Projekte für einen Strang ergeben Tuchgrößen, mit denen ich nichts anfangen kann und die mich mehr so an ein Lätzchen erinnern. Das war hier nicht so. Laut Designerin sollte man ca. 1,60m Spannweite und an die 40cm Breite für das Tuch erhalten.

Das Tuch selbst ist relativ einfach gemacht, aber sieht schick aus. Es wird überwiegend kraus rechts gestrickt und durch Lochreihen und offene Streifen, die durch fallengelassene Wickelmaschen entstehen, aufgelockert. Zur Formgebung wird mit verkürzten Reihen gearbeitet, sodass das Tuch etwas asymmetrisch wird. Am Ende wird ein Picot-Rand gearbeitet.

Und wie das manchmal so ist, hat diese Anleitung bei mir schlagartig eine Idee für einen Strang aus meinem Wollberg ausgelöst. Mir kam ein Strang Merino-Singlegarn von MarianthiYarns in den Sinn, den ich gerade im Februar erst erworben hatte (Februar-Rückblick hier). Die Färbung heißt Dark Denim und ist ein tiefer, changierender Ton. Super schön, wenn auch mit Worten schwer zu beschreiben.

Angeschlagen habe ich das Tuch dann als Urlaubsprojekt für die Reise nach Fuerteventura im April. Schlussendlich habe ich zwar nur auf den Flügen daran gestrickt, aber immerhin! Und ich muss sagen, es ging wirklich schnell voran. Lediglich so das letzte Drittel zog sich dann etwas, da die Reihen inzwischen schon recht lang waren.

Die Anleitung an sich ist gut verständlich und sehr übersichtlich aufgebaut. Lediglich bei der Beschreibung, wie man die Wickelmaschen stricken soll, hat sie mich in die Irre geführt. Dort halfen dann die Kommentare zu der Anleitung auf Ravelry. Im Endeffekt ist es ja aber auch egal, wie genau man sie strickt. Ich wollte es nur möglichst nach Anleitung machen, damit mein Garnverbrauch nicht deutlich von der Anleitung abweicht. Schließlich wollte ich ja die o.g. Größe erreichen.

Die Lochmusterstreifen gingen gut von der Hand. Die Wickelmaschen streifen waren zwar nervig, weil man dann für eine Reihe diese ganzen Wickel mit auf der Nadel hat und sich das dann echt schlecht schieben ließ auf dem Seil. Aber es war ja immer nur eine Reihe. Zwischen den Musterstreifen wurden durch verkürzte Reihen Keile eingearbeitet, sodass das Tuch an einer Seite länger wurde als an der anderen, da an jedem Reihenbeginn Zunahmen gearbeitet wurden und die verkürzten Reihen ja nur an einen Tuchrand grenzen. Die Reihen habe ich als Wickelmasche gearbeitet. Bei kraus rechts ist das quasi nicht zu sehen und man muss den Wickel nicht einmal aufnehmen sondern kann einfach drüber hinwegstricken.

Am Ende der Anleitung hatte ich nun tatsächlich noch echt viel Garn über. Die Designerin gibt da zwar Tipps, wie man weiterstrickt, wenn noch Garn über ist, aber das schien mir für meine relativ große Menge nicht geeignet. Ich habe also nach dem letzten Musterstreifen noch einmal verkürzte Reihen gearbeitet. Da die Reihen ja aber inzwischen echt lang waren und ich nur noch begrenzt Garn hatte, habe ich die Abstände der Wendepunkte vergrößert, da der Keil schon bis ans Reihenende laufen sollte, um keinen unschönen Knick im Tuchrand zum erhalten. Die Abstände habe ich dann beim Stricken immer weiter vergrößert, da das Garn dann doch schneller weniger wurde, als ich gedacht hatte. Und ich hatte den Verbrauch unterschätzt. Aber am Ende hat es geklappt und spätestens nach dem Spannen sieht es jetzt schön gleichmäßig aus.

Ich habe bei dieser Tuchform häufig das Problem, dass die Tuchränder am Ende nicht elastisch genug sind. Dann begrenzen die Randmaschen am Ende das Spannen des Tuchs, obwohl der Tuchkörper noch mehr hergeben würde. Deshalb habe ich hier immer nach der ersten Masche jeder Reihe einen Umschlag gemacht und ihn in der Rückreihe wieder fallen lassen. Und trotzdem war es beim Spannen wieder der Tuchrand der limitierend gewirkt hat. Es ist nicht ganz optimal aber ich kann damit leben. Ich will gar nicht wissen, wie das ausgesehen hätte, hätte ich die Umschläge nicht gemacht. Denn in der Anleitung habe ich hierzu keine Vorgaben gefunden.

Achja, abketten musste ich dann übrigens in einer Rückreihe, weil das Garn sonst einfach nicht gereicht hätte. Der Picot-Rand kostete dann noch mal etwas Geduld, aber er ist ganz hübsch geworden. Den habe ich auch beim Spannen noch mal schön rausgearbeitet.

Das Garn war schon beim Stricken ganz wunderbar weich und nach dem Entspannungsbad ist jetzt perfekt für den Hals. Da kratzt wirklich gar nichts und ich kann es guten Gewissens verschenken. Trotz der zusätzlichen Reihen habe hat das Tuch nun „nur“ eine Größe von knapp 1,60m x 35cm im entspannten Zustand. Aber es ist okay und ich denke so für die Übergangszeit genau das richtige.

Das Tuch wird nun ein Geschenk für eine Kollegin, die jetzt im Juli Geburtstag hat. Der Strang passt einfach perfekt, es ist genau ihre Farbe und ich hatte sofort diesen Hintergedanken, als ich das Tuch angeschlagen habe. Ich bin gespannt, was sie dazu sagt. Sie strickt selbst auch ein wenig und trägt diese Art von Tüchern. Ich denke es wird ihr gefallen.

  • Anleitung: Storm Shawl von Joji Locatelli (ravelry-Link)
  • 100g Marianthi Yarns Pure Merino Single, Färbung dark denim (100% Merino), LL 400m/100g
  • NS 4,5mm
  • Umschlag nach der zweiten Maschen, die in der nächsten Reihe wieder fallengelassen wird, für eine elastischere Kante
  • verkürzte Reihen im Nacken (W&T)
  • Verlängerung: zusätzliche Weges (verkürzte Reihen) nach der letzten Wickelmaschenreihe
  • Lace-Abketten
  • Kosten: Garn 16€, Anleitung 5,70€
  • fertig gestellt: Mai 2022

Verlinkt bei Maschenfein, Meine Fummeley, Lieblingsstücke, Creativ Lovers, Creativsalat, Handmade on Tuesday, DvD.
(o.g. Seiten ggf. ohne Verlinkung? -> Verlinkung für diesen Artikel nicht vorgenommen.)

Ein Kommentar zu „Ein Tuch für Zwischendurch: Storm Shawl von Joji Locatelli

Gib deinen ab

Schreibe eine Antwort zu Frau Mayer Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..

Webseite erstellt mit WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: